Freitags ab 20 UhrBauwa-Downtown auf Instagram (öffnet neues Fenster)

Geschichte

Vom Bauwagen auf der Pfrondorfer Höhe zum roten Haus am Neckar: dreißig Jahre, zwei Häuser, ein Brand und ziemlich viele Helfer.

Front des alten Hauses zwischen Herbstbäumen mit Holzvordach und Schild

Von 1990 bis heute

  1. Die Clique am Bauwagen

    Eine große Clique aus Lustnau trifft sich an einem Bauwagen auf der Pfrondorfer Höhe. Daher der Name: Bauwa. Der Wunsch: ein richtiger Ort für junge Leute, mitten im Dorf. Weil der im Unterdorf liegen soll, heißt er „Downtown“.

  2. Der Verein

    Gründung des Vereins zur Förderung und Betreibung eines Jugendtreffs in Lustnau e.V. Danach: Monate voller Abende und Wochenenden auf der Baustelle.

  3. Eröffnung

    Das Jugendhaus steht – gebaut aus Teilen des ehemaligen Übergangsrechenzentrums der Stadt Reutlingen, auf dem Parkplatz an der Neckarbrücke. Fertigteile, Bauhelme, Richtbaum, und eine Tafel für die Firmen, die mitgeholfen haben.

    Erster Spatenstich: vier Männer mit Bauhelmen graben mit Spaten
    Richtfest 1996: drei Männer mit Zimmermannshüten neben dem Richtbaum auf dem Dach
  4. Sommer im Januar

    Die erste Beach Party: 20 Tonnen Sand ins Haus, mitten im Winter. Am Morgen danach muss der ganze Sand wieder raus. So machen wir das bis heute.

    Nachts schaufeln Helfer Sand aus einem roten Container in eine Schubkarre
  5. Die Blues Brothers auf dem Neckar

    Beim Tübinger Stocherkahnrennen tritt die Bauwa-Crew als „The Blues Brothers“ an: 10. Platz von 43 Kähnen. Obwohl uns am Start einer quer gefahren hat und der Stocherer zwischendurch im Neckar lag.

  6. Der große Umbau

    Fünf Monate zu: neues Dach, Vorraum isoliert, Theke und Rückwand raus und neu. Geschafft wird montags, mittwochs und freitags ab 17 Uhr und samstags ab 8. Zur Wiedereröffnung kommen rund 300 Leute.

    „Bereits um 0 Uhr gingen die ersten Getränkesorten aus, der absolute Wahnsinn.“ – alte Website
    Helfer jubelt auf dem Dach über dem neuen Schild Bauwa Downtown
    Flyer zur Wiedereröffnung nach dem großen Umbau am 6.10.2001 mit Neonschild Open
  7. Fünf Jahre

    Geburtstag mit Kaffee, Kuchen und roten Würsten am Nachmittag – und abends Party. Ab jetzt gibt’s jeden letzten Freitag im Monat eine Mottoparty: Headbangers Ball, Schlager, 80er, Karaoke.

    Flyer zum 5. Geburtstag des Bauwa-Downtown am 17.11.2001
  8. Karaoke und die Nachbarn

    Im September 2002 startet die Karaoke-Nacht. Im November steht nach einer Downtown Party die Polizei vor der Tür. Der Vorstand lädt die Nachbarn zum Gespräch ein – und sagt schweren Herzens die Beach Party 2003 ab. Die nächste Downtown Party läuft dann „inklusive Absegnung durch unseren Nachbarn“, ganz ohne Beschwerde.

    Flyer „endlich Downtown Party 01/03“ für den 31.05.2003 mit Feuerwerk
  9. Das Bussle

    Jeden Freitag fährt unser eigener Bus die Gäste umsonst heim, um 22 Uhr, um 0 Uhr und zum Schluss – Fahrer mit 0,0 Promille. Es fahren zu wenige mit. Im Juli 2005 wird das Bussle verkauft und nach Nigeria verschifft. Dort fährt es als Taxi.

    Der orange-rote Bauwa-Bus mit Logo und Lustnauer Silhouette auf einer Wiese
  10. Ü30 und 17 Mannschaften

    Die Beach Party ist zurück. Im Juli richten wir das Faustballturnier der Lustnauer Vereine aus, mit 17 Mannschaften so groß wie nie. Im Oktober steigt die erste Ü30 Party.

    Flyer „Forever Young – Die Ü30-Party“ vom 02.10.2004
  11. Zehn Jahre

    Zwei Tage Open Air auf dem Parkplatz, mit Skylyte und Sixpack, Festzelt und Wertmarken. Für einmal wurde Eintritt verlangt.

    „Trotz eines gewissen Geräuschpegels wurde wider Erwarten kein einziges Mal die Polizei gerufen.“ – alte Website
    Weiter Blick ins volle Festzelt mit warmem Licht und feiernder Menge
  12. Live, umsonst und drinnen

    Junge Bands spielen umsonst, wir geben Strom, Getränke und Publikum. Bittersweet Oblivion, Rio Guiliani, Bad Attitude, Dead Drunk & The Verse Band, Skylyte – unsere „Haus- und Hofkapelle“ –, Eins40, Fair Enough, Nasty Mind, Tetra-Pack, fünf Bands mit der Musikwerkstatt Tübingen, The Horst Müller Experience, Posh Behaviour, Mr. Miller, The Nelsons, Skill Variety. Und zwei Punkbands aus Groningen, die einfach per Mail gefragt haben.

    Plakat: Live, umsonst und drinnen mit Bad Attitude am 07.09.2007
    Gitarrist von hinten mitten im Auftritt, vor ihm Publikum und warmes Licht
  13. Feuer

    In der Nacht von Freitag, 15., auf Samstag, 16. Mai 2009 brennt das Jugendhaus. Es war Brandstiftung. Drinnen sind Theke, Decke und Kabel nur noch schwarz.

    „Das Jugendhaus bleibt deshalb auf unbestimmte Zeit geschlossen!!!“ – alte Website
    Jugendhaus von vorne mit Absperrband nach dem Brand
    Bar mit geschmolzenen Kabeln unter der schwarzen Decke
  14. Der Bagger

    Nicht mehr zu retten. „Relativ spontan“ rückt der Bagger an und reißt den Rest ab. Übrig bleibt die Bodenplatte – und eine Treppe, die ins Leere führt.

    Eingangstreppe führt ins Leere: nur die Bodenplatte ist übrig
  15. Lustnau hilft

    Die After-Show-Party der Jugendkulturtage findet trotzdem statt, im Zelt auf dem Parkplatz. Die ARGE Lustnauer Vereine spendet ihre Restkasse, die evangelische Kirche eine Kollekte, der KFZ-Service Thomas Link Geld pro Ölwechsel und eine Hütte. Das Restaurant Africa feiert eine Benefiz-Beach-Party. Ab November ist im beheizten Baucontainer wieder offen: mittwochs, freitags, sonntags ab 19:30.

    Leere Betonbodenplatte auf dem Parkplatz, dahinter Bäume und Schuppen
    Flyer Beach Party im Africa am 26.09.2009, Erlös für den Wiederaufbau
  16. Wiederaufbau

    Im April kommt die Baufreigabe. Am 10. Mai geht’s los, in drei Tagen steht der Holzrahmen, am 20. Mai ist Richtfest. Die WM schauen wir im Waldhorn – im Bauwa sind ja noch die Handwerker.

    Neuer Holzrahmenbau hinter Gerüst mit Banner, davor Rasen
    Drei Männer halten auf dem Dach den Richtspruch neben dem Richtbaum
  17. Wieder offen

    Am 26. November feiern wir mit allen, die geholfen haben. Am 27. November geht das neue Bauwa-Downtown auf, mit einer Party, von der noch 168 Fotos existieren. Achtzehn Monate nach dem Brand.

    Das neue rote Bauwa-Gebäude bei Nacht im Schneefall, beleuchtetes Fenster und Eingang
    Flyer Neueröffnung Bauwa-Downtown am 27.11.2010 mit Regenbogenstreifen
  18. Weiter geht’s

    Sommerfeste 2013 und 2015, Ü30 Partys, freitags offen. Hier wird unsere Chronik dünn – was zwischen 2011 und heute alles los war, wissen die, die da waren. Schreib’s uns.

    Plakat Sommerfest 2015 am 22.08.2015 mit glühendem Holzkohlegrill
  19. Dreißig

    Das Bauwa wird 30. Von den Leuten, die damals den Spaten in der Hand hatten, sind manche heute auf der Ü30 Party. Und freitags kommen die Neuen.

Was man sich an der Theke erzählt

Ein paar Geschichten, die jeder kennt, der lang genug dabei ist. Und alle anderen jetzt auch.

Richtfest 1996: drei Männer mit Zimmermannshüten neben dem Richtbaum auf dem Dach

Vom Bauwagen zum Jugendhaus

1996

Anfang der 90er hockte eine große Clique aus Lustnau an einem Bauwagen oben auf der Pfrondorfer Höhe. Gemütlich, aber weit weg. Also wollten sie einen Ort mitten im Dorf, genauer: im Unterdorf. Daher „Downtown“.

1995 gründeten sie einen Verein, dann bauten sie das Haus einfach selbst – aus Teilen des ehemaligen Übergangsrechenzentrums der Stadt Reutlingen. Monatelang abends und am Wochenende. Am 15. November 1996 war Eröffnung.

Vom Bauwagen selbst gibt’s kein Foto im Archiv. Falls du eins hast: her damit. Foto schicken

Helfergruppe mit Schubkarren rund um den Sandhaufen auf dem Parkplatz

Sommer im Januar

1999

Irgendwer hatte die Idee, den Sommer in den Winter zu holen. Seit 1999 kippt uns ein Lkw jedes Jahr 20 Tonnen Sand auf den Parkplatz, und dann wird geschaufelt: Schubkarre um Schubkarre ins Haus. Sonnenschirme, Liegestühle, Fass-Tische, Sangria.

Und am nächsten Tag? Muss der Sand wieder raus. Wer am Vorabend am lautesten gefeiert hat, steht morgens am wenigsten gern an der Schaufel. Kommt aber trotzdem.

Bar mit geschmolzenen Kabeln unter der schwarzen Decke nach dem Brand

Der Brand und das Comeback

2009

In der Nacht zum 16. Mai 2009 brannte das Bauwa. Brandstiftung. Im Juni riss der Bagger den Rest ab, nur die Bodenplatte blieb.

Dann passierte, was in Lustnau eben passiert: Die ARGE Lustnauer Vereine gab ihr Restgeld, die Kirche eine Kollekte, der KFZ-Service Thomas Link Geld pro Ölwechsel, das Restaurant Africa eine Benefizparty. Offen hatten wir trotzdem, in einer Hütte und später im Container. Im Mai 2010 stand der neue Holzrahmen in drei Tagen, am 27. November 2010 war Wiedereröffnung.

Der orange-rote Bauwa-Bus mit Logo und Lustnauer Silhouette auf einer Wiese

Das Bussle, das Taxi in Nigeria wurde

2005

Ab März 2003 fuhr freitags unser Bussle: um 22 Uhr, um Mitternacht und zum Schluss, kostenlos bis vor die Haustür, Fahrer mit 0,0 Promille. Damit auch die kommen können, die sonst keinen Bus mehr heim haben.

Leider fuhren zu wenige mit. Bei rund 100 Kilometern im Monat lohnte sich das schöne Teil nicht. Im Juli 2005 war es verkauft – und wurde verschifft, um in Nigeria als Taxi zu fahren.

Foto gesucht

Die Blues Brothers auf dem Neckar

2001

Juni 2001, Tübinger Stocherkahnrennen. Die Bauwa-Crew tritt an, verkleidet als „The Blues Brothers“. Startplatz in der zweiten Reihe, schlecht. Dann fährt uns ein Kahn auf und wir stehen quer auf dem Neckar. Dann geht der Stocherer baden.

Am Ende: Platz 10 von 43 Kähnen. Wir nennen das einen respektablen Erfolg.

Von der Kahn-Crew 2001 gibt’s kein einziges Foto im Archiv. Falls eins in einer Schublade liegt: her damit. Foto schicken

Gitarrist von hinten mitten im Auftritt, vor ihm Publikum und warmes Licht

Punk aus Groningen

2008

Anfang Dezember 2008 kam eine Mail: „Hi people from jugendhaus Lustnau we are two punkrock bands from holland and looking for a gig on sunday the 28th of december!!“

Eigentlich gibt’s „Live, umsonst und drinnen“ nur freitags. Für Long Way Down und No Good Around aus Groningen haben wir eine Ausnahme gemacht. Sonntag, 28. Dezember, zwischen den Jahren: Punkrock im Bauwa.

Rote Fassade mit Bauwa-Downtown-Schild im Schneetreiben bei Nacht

Heiligabend im Bauwa

2002

„Heilig Abend. 21 Uhr. Bauch vollgeschlagen, Geschenke eingesammelt. Was nun?“ So stand es 2003 auf unserer Website. Die Antwort: ab ins Jugendhaus.

Seit Anfang der 2000er hat das Bauwa an Heiligabend offen, ab 21:30 Uhr. Da trifft man Leute, die man das ganze Jahr nicht gesehen hat. Nur 2009, im Container nach dem Brand, ging es nicht.

Weiter Blick ins volle Festzelt mit warmem Licht und feiernder Menge

30 Jahre im November 2026

2026

Dreißig Jahre, zwei Häuser, ein Brand, unzählige Freitage. Feiern tun wir das natürlich. [JUBILÄUMS-PLANUNG]